The Little One ist zurück in Deutschland Sein Kampfname lautet The Little One; er steht unter Vertrag bei Team Liquid. Wie viel er da verdient, darf er nicht sagen, Vertragsgeheimnis, aber vierstellig soll sein Monatssalär sein. Hinzu kommen Preisgelder, wenn der Zasterzocker bei einem Turnier vorne landet. Er galt sogar als Favorit auf die Deutsche Meisterschaft in Starcraft II. Aber im August fragte ihn sein Team, ob er Lust hätte, für ein Jahr nach Südkorea zu gehen. In Südkorea ist die Computerspiel-Szene so angesagt wie Basketball in den USA oder Fußball in Deutschland. Es gibt Profiligen, TV-Sender berichten über Matches, Konzerne sponsern Teams, selbst die Luftwaffe finanziert eines. Profi-Daddler können hier Millionäre werden. "Der Coach gibt Tipps, die Putzfrau sorgt für Ordnung" Dario Wünsch überlegte eine Woche, beriet sich mit Freunden und Familie - und sagte zu. Er ließ sein Anglistik-Studium ruhen und lernte Koreanisch statt Alt-Englisch. Ab September lebte The Little One in Incheon, eine halbe Stunde von Seoul entfernt. Er wohnte in einem Gamer-Haus, zusammen mit elf Koreanern und zwei Schweden. "So eine Mischung aus Lan-Party und Jugendherberge mit der Professionalität eines Sportzentrums", beschreibt Dario Wünsch die Atmosphäre. Die Jungs schlafen in Sechs-Bett-Zimmern, machen Sport im Fitnesscenter um die Ecke und trainieren von mittags bis nachts Starcraft II im Computerraum ihrer Wohnung. Ein Coach gibt ihnen Tipps, für Ordnung sorgt eine Putzfrau, die auch kocht. "Bae-ga kop'um-nida", sagte er oft, das bedeutet so viel wie "Ich habe Hunger". Auf Koreanisch "klingt das viel höflicher, da ist quasi ein Bitte eingebaut", erklärt Dario. Er liebt das Essen der Teamköchin. Nur sonntags, da müssen die Jungs selbst kochen. "Darum wird natürlich gespielt." Er selbst musste nur einmal ran: "Jajangmyeon, schwarze Nudeln, sehr lecker." Die Zockerbande lebt, isst, spielt zusammen, geht auch mal einen trinken. Trotzdem weiß Dario Wünsch wenig über seine Mitstreiter. Nur, dass sie kaum für die Zukunft planen und alle davon ausgehen, große Stars im E-Sport zu werden. Sie wollen auch über ihn nicht viel wissen, er ist ein Deutscher, der in Südkorea sein Spiel verbessern will - das reicht. 2,4 Millionen Dollar Preisgeld Koreaner trainieren hart, meist zehn und mehr Stunden pro Tag, Dario Wünsch "nur" sechs bis acht. The Little One hofft wie seine Mitstreiter auf die Turnierserie namens GSL - hier locken insgesamt 2,4 Millionen Dollar Gesamtpreisgeld, für die monatlichen Gewinner gibt es 84.000 Dollar. Für das Septemberturnier kämpfte sich Dario durch die vier Vorrunden und überstand sogar die erste Hauptrunde, schied dann aber aus. Das ist für ihn, als ob ein Amateurverein im DFB-Pokal auf die Schwergewichte der Bundesliga trifft. Seine Matches werden wie die anderer E-Sportler im Fernsehen übertragen. Für die Sendung bekam er Make-Up, seine Mutters-Liebling-Frisur wurde mit Haargel betoniert. So viel Aufmerksamkeit, "das fühlt sich schon gut an", sagt er. Wer als Nicht-Koreaner einen Titel holt, kann eine Legende werden, so wie der Kanadier Guillaume Patry. Der gewann als einziger Ausländer eine koreanische Profi-Liga und wird noch heute dafür verehrt. Dario Wünsch war zwar Außenseiter, aber nach den TV-Matches erkannten ihn auch schon mal Leute und fragen nach Autogrammen. Der Asien-Ausritt ist schon vorbei Um seine Fans, aber auch um Familie und Freunde kümmerte er sich meist morgens oder nachts. Dann schrieb er Berichte für die Homepage des Teams, gab Szene-Medien Interviews, pflegte seine Facebook-Seite oder quatschte mit Mama via Skype. Und er berichtete von Turnieren in Dallas oder Anaheim (Kalifornien), wo er auf der Blizzcon zockte, der Hausmesse des Starcraft-II-Entwicklers Blizzard. Bisher hat er noch keinen großen Titel geholt und bereut trotzdem nicht, dass er seine Zukunft aufs Spiel gesetzt hat. Weiter entwickelt habe er sich, "als Mensch und als Spieler", sagt Dario Wünsch. Anfangs hatte er geplant, ein Jahr zu bleiben. Vor kurzem jedoch verbreiteten Szene-Webseiten wie Fragster.de die Nachricht seines Teams, dass Dario schon im November nach Deutschland zurück kommt. Donnerstagabend ist sein Flugzeug in Frankfurt gelandet. Offizieller Heimkehr-Grund: Er möchte nicht auf Familie und Freunde verzichten. Was womöglich noch mitspielt: Sechs Stunden täglich zocken ist in Korea einfach zu wenig, selbst innerhalb der Zocker-WG rutschte er ins B-Team. Dafür kann er nach seiner Rückkehr vielleicht Deutscher Meister werden.
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