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Die einzigartige Lebensgeschichte des Sally Perel
Am Dienstag, den 5.5.2009 besuchten die Klassen 10a und 10c des Katharinen-Gymnasiums Ingolstadt, den Zeitzeugenbericht von Sally Perell im Bildungszentrum der Audi in Ingolstadt.
Ebenfalls zugegen waren die Realschule Icksstadt und die Hauptschule an der Herschelstraße
(beide ebenfalls aus Ingolstadt).
Voller Erwartungen betreten die Schulklassen den Vortragsraum des Bildungszentrums – ein echter Zeitzeugenbericht, endlich mal Geschichte live erleben, nicht wie der öde Geschichtswachschlaf im Unterricht. Der heute 84-jährige Sally Perell betritt den Raum, fast augenblicklich wird es Still – alle warten gespannt auf den Beginn des Vortrags. (Ich benutze hier den Begriff Vortrag, obwohl es viel mehr eine eindrucksvolle Erzählung aus einer ganz besonderen Lebensgeschichte war). Zuerst werden wir und Herr Perell von einem Audi Mitarbeiter willkommen geheißen. Herr Perell hat das Angebot der Audi schon zum zweiten Mal angenommen seine Lebensgeschichte als Erinnerung an Schluklassen weiterzugeben. Sally Perell richtet uns seine Hoffnung aus im nächsten Jahr nochmal dieses Angebot wahrnehmen zu dürfen. „Aller guten Dinge sind 3!“, weiß Perell. Eine Hoffnung die
alle, welche diesen Vortrag gehört haben teilen werden.
Kurz darauf geht es auch schon Los, alles lauscht gespannt. Zuerst fällt mir auf, dass dieser Herr Perell, der 40 Jahre lang in Israel gelebt hat, erstaunlich gut und fließend Deutsch spricht. Nur eine kleine Kostprobe seines erstaunlichen Sprachtalents, neben deutsch spricht er auch noch russisch, polnisch, hebräisch und wahrscheinlich (wurde nicht offiziell bestätigt) auch noch Englisch und Französisch. Herr Perell erzählt uns seine Lebensgeschichte, er erzählt und erzählt und erzählt, ganz besonders geht er dabei auf die „magischen“ Worte seiner Mutter ein, welche ihm diese vor seiner Flucht zu rief: „Sally, du sollst Leben!“ - Worte die Sally während seiner Flucht und auch im späteren Leben immer wieder hilfreich zur Seite stehen, selbst wenn sie manchmal im Konflikt mit der Religion standen. Jedoch betont er dass es wichtiger sei das Leben zu retten als
den Märtyrertod zu sterben, so verleugnet er seine Religion vor einem Trupp der deutschen Wehrmacht im Feldzug in Polen – dies sicherte ihm das Überleben, er wurde fortan als Dolmetscher eingesetzt, da er fließend polnisch, russisch und deutsch spricht. Als die Lage im 2ten
Weltkrieg sich zuspitzt wird Sally Perell nach Braunschweig in eine Schule der Hitlerjugend gebracht. Dort wird er sowie alle deutschen Jugendlichen der damaligen Zeit einer regelrechten
„Gehirnwäsche“ unterzogen. „Ich wurde überzeugt – ich glaubte an all die Sachen die täglich wie Gift in unsere Köpfe eingeflößt wurden!“, gesteht Sally Perell. Zu schnell vergeht die Zeit, nichts regt sich im Saal alle sind verblüfft, bewundern diesen Mann. Der trotz seines hohen Alters seine Lebensgeschichte mit einer solchen Überzeugung und Lebhaftigkeit erzählt. Trotz der Grausamkeiten die er und alle Juden im 2ten Weltkrieg erleben mussten reist er heute als Freund nach Deutschland – ein Land das in seiner dunklen Geschichte den schlimmsten Völkermord in der Geschichte der Menschheit zu verantworten hat, den Holocaust. Seine Erzählung endet mit einer Bitte -
„Heute seid ihr auch Zeitzeugen geworden! Gebt euer Wissen an zukünftige Generationen weiter, damit es nie mehr zu einer Wiederholung des Holocaust kommt!“
Eine Bitte, der wir nach diesem bewegenden Nachmittag gern erfüllen Herr Perell!
erstellt am 07.05.2009 17:40 - aktualisiert am 07.05.2009 17:40
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BenniBones 13.05.2009 16:13
| War wirklich ein sehr interessanter und spannender Vortrag. Er hat mich in allen Belangen positiv überrascht - wirklich toll wie der das mit 84 noch rüberbringt.
Hoffentlich schafft er nächstes Jahr auch noch  |
Pierre 13.05.2009 23:12
| Wirklich gut gelungen 
Ich kann auch nur noch einmal betonen wie eindrucksvoll die erzählung von Sally Perel war! Eine Stille im Saal wie ich sie noch nie gehört habe^^ das ist mir erst am Ende aufgefallen da ich selbst so gebannt war von dieser Geschichte.
Das Buch (und den Film) von Sally Perel: "Ich war Hitlerjunge Salomon", kann ich auch empfehlen. Ich hab es meiner Mutter zum Muttertag geschenkt und sie liest es wirklich begeistert in fast jeder freien Minute  |